Wir plaudern, besprechen, argumentierne, präsentieren, quasseln und reden jeden Tag, meist ohne uns über unsere Stimme gedanken zu machen. Erst bei Heiserkeit, einem „Frosch im Hals“, kratziger Stimme und dergleichen fällt uns unser Stimmapparat auf. Viele Menschen sprechen dabei nicht in ihrer natürlichen Stimmlage und das kann Stimmband-Probleme fördern, unauthentisch wirken und ist einfach nicht effizient.

Die eigene Stimmlage wird in der Literatur Indifferenzlage genannt. Eine Sprecherinn in der Schule nennt es  treffend Wohlfühltonlage. Und die Wohlfühltonlage ist genau das: die natürliche Stimmlage in der wir entspannt sind.

Die natürliche Stimmlage wird von der Anatomie bestimmt: die länge der Stimmbänder und die Resonanzräume sind gegeben.Wenn wir den Stimmumfang der Sprechstimme in drei Teile aufteilen, dann ist die Wohlfühltonlage am „oberen Ende des unteren Drittels“ (Rossie, Sprechertraining, S130). Damit bleibt noch genug Gestaltungsbereich nach oben und unten, ohne dass es unsere Stimmbänder unökonomisch beansprucht.

Die optimale Nutzung der Resonanzräume und der Atmung kann man lernen. Oft geht treten wir uns jedoch Sprechmuster ein, die nicht gut für unsere Stimmbänder sind. Wie?

Wir lernen von Geburt an durch Nachahmung zu sprechen und saugen alle Einflüsse wie Wissens-Schwämme auf. Wir kopieren und experimentieren, wie Kinder das so tun. Bekomm ich die Süßigkeiten eher wenn ich in einem hohne lieben Ton nochmal bettel? Nehmen mich Klassenkollegen mehr ernst wenn ich tiefer rede? Hört man mich in einer schrillen Stimme besser durch den Raum?

Egal warum, wichtig ist es einfach mal in dich zu gehen und zu spüren, wie es sich eigentlich anfühlt, wenn du sprichst. Vibriert dein Kopf, deine Brust? Ist der Hals frei, oder fühlt es sich eng und zugeschnürrt an? Bei starken Emotionen kennen wir das, dass es uns „die Kehle zuschnürrt“, wir vor Aufregung eine Oktave höher rutschen und uns eigenartige Töne entfleuchen. Kann passieren, nur im Alltag solltest du dich wohl und frei fühlen. Wenn nicht, kann es ein Hinweis auf eine falsche Stimmlage sein und du spürst die fehlende Authenzität im Hals.

Übungen zum finden der Wohlfühltonlage

  • Tief Seufzen, wie beim entspannen nach einem langen erfolgreichen Tag
  • „Hmmmmmmmmm“ summen,  wie um an einer duftenden Rose/Blume/Lieblingsessen riechen
  • Locker einem guten Freund etwas erzählen oder beim Fenster raus schaun und nebenbei reden.
  • Locker laut 1, 2, 3,… zählen, nach einer Weile pendelt sich die Stimme ein. Am besten dabei aufnehmen (am praktischten mit dem Smartphone wenn kein gutes Mikrofon vorhandne ist).

Es hilft wenn du dich Allgemein entspannst. Lass dich mal wieder massieren, gönn dir ein Bad, kuschel dich mit einem guten Buch und einer Tasse Tee in dein Lieblingseck, schnapp dir eine Decke und ab in die Sonne, ab in den Wald…. alles was dich entspannt hilft dir deine Wohlfühltonlage zu finden.

Natürlich ist es am Anfang schwierig das selbst einzuschätzen ,wiel einfach alles anfängt komisch zu klingen. Eine Stunde mit einem professionellen Sprecher oder einer Sängerinn kann hier sehr hilfreich sein! Bei ernsthaften stimmlichen Problemen, sollte auf jeden Fall ein Logopäde oder Logopädin zu Rat gezogen werden.

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