So saß ich stimmlich stolpernd,

haspelnd, raspelnd,

unter Kirschblüten im Frühlingswind

und hoffte auf Lernerfolge, und zwar geschwind!

Sobald wir vorlesen scheint uns eine nebelig-wabbernde Wolke einzuhüllen, die uns jegliche natürliche Sprechgewohnheit vergessen lässt.

Die Sache ist die: frei sprechen im Alltag können wir. Schreib aber deine eigenen  Worte auf und lies sie wieder vor, da fangen die  Probleme an.

Uns geht der Atem mitten im Satz aus, lesen in einem Tempo wie Eddie Murphy spricht, setzen Pausen wo keine sind (Beistriche sind selten Pausen!), seltsame Betonungen entfleuchen uns und häufig sprechen wir in einer komplett andere Stimmlage. Und dann ist natürlich noch der Stress vorm ersten Wort da, der uns wie ein Schulmädchen quieken lässt.

Warum ist Vorlesen (für die meisten) so schwer? Ich hätt´s ja selbst nicht gedacht, aber ich hab weit mehr Probleme beim Vorlesen als gedacht. Das Feedback bekommt man halt erst vom Profi oder bei der (absolut erbarmungslosen) Aufnahme zu hören.

Meine Beobachtung dazu:

Vorlesen ist im ersten Moment eine Stress Situation (vielleicht ein unterbewusstes Trauma aus dem Deutschunterricht?!). Die meisten Menschen fühlen sich unwohl dabei und verbinden Vorlesen mit einer gestellten-unnatürlichen Stimmlage und einem seltsamen Gefühl. Ganz ehrlich, wie fühlst du dich, wenn du einen Text vorlesen sollst?

Dabei ist es pure Magie, einem guten Erzähler zuzuhören! Eigentlich sollten wir immer erzählen, und nie vorlesen. Es ist die große Kunst, einen Text so vorzulesen, dass es erzählt klingt, das niemand an den geschriebenen Text denkt.

Erzählen ist wichtig, so transportieren wir Ideen die wir als Wertvoll erachten und teilen uns mit. Ums vorlesen kommt kaum jemand rum, Anlässe wie Hochzeiten, Taufen, Feiern und Geschäftsanlässe hat jeder Mal im Leben.

Hier ein paar Tipps für kurze Vorlese-Situationen:

  • Textaufbereitung ist alles! Lies dir den Text so früh wie möglich durch, am besten ein paar Tage vor dem Event. Versteh den Inhalt, markiere dir Atempausen am Ende von Sinneinheiten und lies den Text immer wieder laut vor. Nur so merkst du, wo du Probleme hast und vielleicht den Text umschreiben musst.
  • Benutze große Spickzettel, eine große klare Schriftart und viel Zeilenabstand, sonst siehst du in der Nervosität nicht wo du bist. Außerdem kannst du mit Absätzen besser die Sinneinheiten des Textes gliedern, was dir bei der Pausensetzung hilft.
  • Bleib in deiner Wohlfühltonlage
  • Mach ein Stimm-Warm-Up vor dem Event und vermeide direkt davor Schokolade, Kaffee, Milchprodukte und Zigaretten, da diese sich auf die Stimme schlagen. Trink ausreichend Wasser oder Tee.
  • Zu Beginn nimm dir kurz Zeit in die Runde zu schauen, lächle, mach einen Atemzug und beginn beim ausatmen zu Sprechen. Stille ist für Zuhörer angenehm, also lass sie dein Freund werden!
  • Nutze deine Sprechpausen (am Zettel markiert!) zum Atmen. Diese Pausen sind für Zuhörer auch notwendig um das Gehörte zu verarbeiten.
  • Achte auf eine offene und ruhige Körpersprache: Hüftbreiter Stand, locker in den Knien, Arme locker auf Hüfthöhe oder am Podium ruhend. (Also keine versschränkten Hände oder Beine, nicht am Podium festkrallen, nicht zappeln oder rumrennen.)
  • Eleganter Abgang: je nach Anlass Verabschieden/Bedanken oder ruhig den Nächsten zum Mikro lassen. Keine hektischen Fluchtversuche 😉

Die Liste ist jetzt schon länger geworden als gewollt, da wird wohl bald ein ausfühlicher Blogbeitrag dazu kommen…. Oder was meinst du, wäre eine eigene Seite mit Tipps oder Stimmübungen übersichtlicher?

 

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