Seit einiger Zeit bin ich davon überzeugt, dass man nicht an seiner Stimme arbeiten kann ohne nicht automatisch mit seiner Persönlichkeit konfrontiert zu sein. Es ist spannend wie sich das in der Zeit seit der Ausbildung schon bewahrheitet hat. Ich habe von den verschiedenen Lehrenden sehr ähnliches Feedback bekommen: Ich verschlucke leicht die Silben und spreche „zu weit hinten“. Daher soll ich mehr „vorwärts“ sprechen, die Worte wirklich nach außen senden, das Sendebewusstsein stärken (was für ein schönes Wort!). Außerdem brauche ich mehr Gelassenheit und Entspannung, denn oft ist zu viel Druck, zu viel Wollen in meiner Stimme zu hören. Dieses Feedback wirft einige Fragen auf und ich habe beschlossen, mich ganz darauf einzulassen und mich mir selbst zu stellen.

Warum sage ich manchmal nicht laut und klar was ich denke? Warum will ich meine Worte „in mir behalten“ und mich verstecken? Warum relativiere ich oft meinen Standpunkt, wenn doch meine Gedanken laut und klar schreien? Warum habe ich das Gefühl, wenn ich ehrlich und ganz klar kommuniziere, nackt dazustehen? Warum habe ich Angst davor zu zeigen, wer ich wirklich bin? Habe ich so sehr Angst, nicht angenommen zu werden und keine Bestätigung meines Selbst zu erfahren? Und schlussendlich: Wer bin ich eigentlich, wer glaube ich zu sein, was sende ich davon aus und wie wird das überhaupt bei anderen empfangen?

*tiefer Atemzug*

Das sind nicht unbedingt bequeme Fragen, um es kampfkunsttechnisch auszudrücken: es ist Training! Das ist der Bereich in dem persönliches Wachstum stattfinden kann, wenn man über seinen eigenen Schatten springt und sich seine Muster/Programmierungen genau ansieht. Es gilt auch nicht, diese Fragen auf einer intellektuellen Ebene zu beantworten (wenngleich es teilweise eine Hilfestellung sein kann). Es muss ein Körpergefühl zu dem Erleben kommen, eine Bewusstheit für das Thema/die Frage geschaffen werden. Damit kann man weiter arbeiten und mit Achtsamkeit und Selbstliebe neue Reaktionen und Muster setzen. In diesem Fall will ich meinen Standpunkt klar nach Außen kommunizieren und in mehr Gelassenheit leben. Ich will mein Inneres nach Außen tragen und stolz dazu stehen. Ich will so wahrhaftig sein, dass ich nicht anders kann als in mir zu ruhen und zu lächeln. Ich will mich selbst nicht so ernst nehmen. Ich will kein Lob, keine Anerkennung, keine Bestätigung meines Selbst brauchen. Mein Selbstwert ist einfach und ruht in mir – und hängt nicht von den Meinungen anderer ab!

Und jetzt Schritt für Schritt diese Realität schaffen.

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