Ein Monat Sprecherausbildung. Mein Fazit: GROßARTIG! 🙂

Wenn ich erzähle, dass ich eine Sprecherausbildung mache ist die Reaktion meist gleich: Ah cool…. singst du da? Also eigentlich ein elegantes: Hä, was machst du?! Da ich jetzt genauer weiß, was ich eigentlich lerne, hier ein paar Zeilen worum es wirklich geht:

Bisher habe ich die Basics des Stimmapparates und der Atmung kennengelernt und für ein volles Stimmvolumen (und eigentlich auch für mein Leben allgemein) ist meine neue Maxime Entspannung und Gelassenheit.

Nächster Schritt: klare und verständliche Aussprache aka. deutsche Standardsprache (Hoch/Bühnensprache ) lernen. Die Standardsprache ist ein Konstrukt zur Verständlichkeit, in dem man sich trifft und jeder Kompromisse eingeht – dieser Satz ist mir aus meiner letzten Stunde besonders hängen geblieben. Eine komplett einheitliche Regelung für den ganzen deutschsprachigen Raum (AT, CH, DE) gibt es nicht. Das hat historische und geografische Gründe und ich finde die regionalen Unterschiede haben alle ihren Charme, wir wollen ja nicht alle wie SIRI klingen und dialektalische Färbungen sind Teil der Identität. Trotzdem wurde die Aussprache soweit vereinheitlicht, dass wir uns alle verständigen können, und das verdanken wir vor allem Theodor Siebs der die  Bühnensprache vereinheitlicht hat. Und da wären wir bei Ausspracheregeln wie z.B. dem -ig in König.

Ich finde das eine sehr spannende Arbeit, saubere Laute zu üben und an der Aussprache zu feilen (an den langen Gesichtern meiner Freunde, anlässlich meiner überschwänglichen Begeisterung für den Schwa-Laut kann ich erkennen, dass es nicht jedem so geht….:P). Aber wenn ich genauer steuern kann, wie meine Laute klingen, hab ich ein mächtiges Werkzeug für die Stimm-Modulation:

Die Stimme ist wie ein Farbkasten: Buchstaben und Worte sind die Farben mit denen man Bilder in den Köpfen mal.

Sprache in diesem Sinn ist Kunst. Es ist die Kunst, Zuhörer in den Bann zu ziehen. Groß und Klein die an den Lippen des Erzählers hängen und gespannt dem nächsten Wort entgegenbangen. Es ist eine Kunst: Tonfall, Schnelligkeit, ein Flüstern oder ein dröhnendes Wort, Pausen…. fesselnd zu erzählen, die Stimme als Farbkasten für ein Kunstwerk zu benutzen. Diese Konzept fasziniert und berührt mich zutiefst. Es ist ein unglaubliche Vorstellung: meine Worte treffen als Vibration bei einem anderen Menschen auf, werden entschlüsselt und können dort Gedanken und Ideen entstehen lassen. Meine Worte können, wie beim Geschichten erzählen, ganze Welten erschaffen. Und je nachdem welche Farbe ich wähle, kann ein und das selbe Wort eine ganz andere Welt malen. Was für eine großartige Vorstellung!

Aber so weit bin ich noch nicht… momentan lese ich noch sinnentfremdete Texte zur Übung der Aussprache. Tja… der Boden der Tatsachen… Mein Lieblingssatz ist ja folgender (zum Thema -ig Endungen):

„Hedwig entfachte einen richtigen Brand in dem feurigen, eigentlich züchtigen Verehrer, der vom Mondlicht beleuchtet auf dem höchsten, am schwierigsten zu erreichenden Fluchtpunkt lag.“

In diesem Sinne, gute Nacht! 😀

 

 

Advertisements