Gestern war es so weit. Das Klischee aller  Stimm- und Gesangsübungen hat sich bewahrheitet. Der klassische Korken ist kein Mythos und hat auch noch richtig Sinn! Solang es kein Sektkorken ist, denn die sind zu groß – sagte die Trainerin und ich versteckte meinen Silvesterkorken weiter unten in meiner Tasche. Der Korken ist ein wundervolles Werkzeug um das Kiefer zu entspannen und ein besseres Körpergefühl für den Mundresonanzbereich zu bekommen. Generell ist am Anfang der Fokus jeglicher Stimmbildung:

  • Eine entspannte, lockere Körperhaltung zu erlangen
  • Die richtige Spannung für die sprechrelevanten Muskeln herauszufinden (Zwerchfell, Bauchmuskeln, Kiefer, Zunge,…)
  • Unnötige Anspannungen beim Sprechen zu finden und durch Bewusstmachung und vieles Üben zu reduzieren (Kiefermuskulatur, hintere Zunge, Nacken,…)
  • … dadurch ein Gefühl für das eigene Instrument „Stimme“ mit all seinen Resonanzräumen und „Tasten“ (Zwerchfell, Zunge, Lippen, Stimmbänder,…) zu erreichen.

Klingt einfach? Klingt schwer oder abstrakt? Ich empfinde es bisher als eine angenehme Arbeit bzw. mehr einen Lern- oder Übungsprozess. Sich mit seiner eigenen Stimme zu befassen, seltsame Laute von sich zu geben und auszuprobieren was wie klingt, steht genau gegensätzlich zum klassischen akademischen Lernen. Das Hirn versteht sehr schnell wie z.B. der Atem sein soll, wie die Stimmbänder funktionieren usw. Das Umsetzen und „verkörperlichen“ dieses Wissens, also eine Körper-Erfahrung dazu zu machen, ist lernen auf einer komplett anderen Ebene. Daher gibts jetzt direkt ein paar Übungen zum Ausprobieren.

Gorilla

Klopf dir wie ein Gorilla (sanft!) auf die Brust und atme mit einem „Aaaaaaaah“ aus. Ich mache das gerne am Morgen nach dem Aufstehen: Einerseits hilft die Vibration die Stimmbänder zu reinigen, andererseits weckt es auf, bringt Energie und lässt dich den Resonanzraum im Brustkorb deutlich spüren.

Gähnen

Nicht nur morgens – Gähnen tut immer gut und ist wie Balsam für den Stimmapparat. Gähnen entspannt alle am Sprechen beteiligten Muskeln, selbst das Zwerchfell wenn du das Gähnen mit Laut ganz aus dir rauslässt. „Erlaube dir das Gähnen“ ist die Devise und zwar aus vollem Herzen!

Kiefermassage

Die natürliche Ruheposition des Kiefers ist leicht geöffnet, das heißt selbst bei geschlossenen Lippen berühren sich die Zähne nicht, es passt ca. der kleine Finger dazwischen. Wo ist dein Kiefer gerade? Hast du Kontakt mit den Zähnen? Die meisten Menschen haben ein verspanntes Kiefer, bekommen dadurch den Mund nicht richtig auf und das hindert den Laut davor zu klingen, wie eine Lärmschutzmauer. Beiß mit den Zähnen kurz und fest zusammen und lass danach das Unterkiefer locker fallen. Spür wie die Muskulatur sich verändert. Du kannst auch mit den Händen sanft die Wangen ausstreichen, das Kiefer massieren (bis hinauf zum Ohrenansatz). Wenn du locker bist dann ist der Korken kein Problem für dich 🙂

Korken

Der Korken dient dazu, die Aufmerksamkeit beim Sprechen mehr auf das Kiefer zu legen. Du spürst genau wann du den Mund schließen willst. Weitere Sprechübungen kommen sicherlich noch dazu, aber das reicht mal für den Anfang.

Zeigt her eure Zunge…

Die Zunge ist ein sehr starker Muskel und erledigt die meiste Artikulation. Zum Dehnen und Entspannen ist es ratsam (vor allem vor Präsentationen oder Reden) die Zunge aus dem Dauerschlaf zu wecken und Leben einzuhauchen: Zunge im Mund kreisen, über die Zähne fahren, rausstrecken und kreisen, Zunge rausstrecken und brrrrr machen (alias Furzgeräusche) und sich mal wieder wie ein Kleinkind fühlen! Ist doch toll! 😀

Rote Rosen

Stell dir vor, du riechst an etwas sehr gut duftendem. Eine Rose, deine Lieblingsspeise, dein Lieblingsduft… Summe ein genussvolles „Mmmmmmh“. Spürst du wie deine Lippen vibrieren und leicht kitzeln? Du kannst mal laut und mal leise werden, wie eine Sirene. Was du dabei spürst ist der Resonanzraum des Kopfes, der besonders für hohe Töne wichtig ist.

Weitere Übungen und mehr zu den Resonanzräumen gibt’s bald, schau also wieder vorbei!

 

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