Wer hätte es gedacht: die erste Stunde meiner Stimmausbildung habe ich großteils mit… *Trommelwirbel* Entspannung verbracht!

Eine kleine Imaginationsreise: Setz dich aufrecht auf einen Hocker, Beine hüftbreit fest am Boden. Lass deine Hände locker neben dem Körper hängen. Stell dir vor, aus deiner Kopfmitte geht ein Strahl oder ein Seil hinauf. In Verlängerung deiner Wirbelsäule trägt es dich. Dein Brustkorb ist entspannt nach außen gestreckt, so als würdest du strahlend jemanden begrüßen. Deine Schultern fallen entspannt nach hinten, dein Nacken lässt all den Stress (und Muskelausgleichsanstrengungen) fallen. Das Kinn fällt locker Richtung Brust.

Und jetzt atme. Atme entspannt und lausche dir selbst. Spüre wie du in verspannte Körperregionen mehr und mehr hineinatmest und immer entspannter wirst. Spür wie dein Atem ganz natürlich von selbst kommt und geht. Spüre wie dein Bauch sich weitet. Wie beim Einatmen auch dein unterer Rücken und dein Brustkorb sich weiten. Lass dich fallen, in diese entstehende Weite.

Massiere nun sanft dein Kiefer, deine Wangen und Stirn. Schneide Grimassen und spüre die Muskeln in deinem Gesicht. Die Lippen, die Nase, die Kiefermuskeln. Knattere nun beim Ausatmen mit den Lippen wie ein Auto oder Flugzeug und spüre wie die Vibration deine Gesichtsmuskeln entspannt.

Beginne jetzt langsam zuerst die Zehen und Fingerspitzen zu bewegen und dann den restlichen Körper. Fühle den Unterschied zu vorher. Bist du jetzt entspannter? Leichter?

Und das ist die erste Lektion: nur ein entspannter Körper in der richtigen Haltung hat freie Resonanzräume. Und Klang braucht freie Resonanzkörper. Spannend natürlich, dass ich hier gleich eine Parallele zur Kampkunst sehe: nur ein entspannter Körper kann sich gut bewegen.

Das scheint eigentlich der Grundzustand unseres physischen Körpers zu sein: Entspannung! Eigentlich traurig, dass wir diesen Zustand so verlernt haben, scheint doch ein entspannter Körper der Tagtraum vieler zu sein und gleichzeitig Voraussetzung für ein gutes Funktionieren unseres physischen Transportmittels (Thema „Kopf-mit-Beinen“).

Haltung zeigen…

Warum sind wir denn eigentlich nicht die meiste Zeit in einem körperlich-entspannten Zustand? Ein Wort: Haltung. Viele von uns sitzen tagtäglich stundenlang in Bürosesseln, in den Öffis, am Tisch, auf der Bank im Park, auf der Couch… und meist sitzen wir nicht, wir knotzen, loungen, lungern, hocken und kauern.

Der Körper ist nur dann entspannt, wenn wir ihn „in seinem natürlichem Lebensraum“ halten, sprich in seiner natürlichen Ausrichtung. Wenn wir also Haltung zeigen. Wenn wir bewusst den Kopf hochhalten, geschmeidig in den Knien stehen, die Schultern locker nach hinten fallen lassen und erhobenen Hauptes im Leben stehen.

Haltung zeigen, Haltung bewahren, seinen Standpunkt vertreten – ganz offensichtlich deuten diese Worte auch auf die innere Haltung hin. Was gibt mir Halt? Was sind meine Ideale und Werte? Hab ich Klarheit über mich selbst und kann auch in schwierigen Situationen mir selbst treu bleiben und Haltung bewahren? Kann ich meinen Standpunkt entspannt vertreten. Habe ich einen entspannten Umgang mit mir selbst?

Aber wieder zurück zum Thema: Lasst uns doch alle etwas entspannter werden und an unserer Haltung arbeiten. Das tut gut und wirkt sich auf unzählige Elemente positiv aus: auf die Gesundheit, die Körperwahrnehmung, die Körperhaltung, die Atmung, die Stimme, auf dein Selbstbild und deine Einstellung.

Kurz: Chillax! 😛

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