Es ist nicht einfach, immer einen kühlen Kopf zu bewahren. Es gibt immer wieder Situationen, die einen von der Seite überrumpeln und emotionale Reaktionen hervorrufen. Heute war es bei mir eine Mischung aus Entgeisterung und Wut. Das Adrenalin schießt ein, bereitet auf den verbalen Kampf vor. Meine Hände haben leicht gezittert, meine Stimme ist wackelig geworden.

Das ist doch spannend zu beobachten: man kann die Grundemotionen nicht nur in der Gesichtsmimik erkennen, sondern auch in der Stimme hören. Je nach Emotion ändert sich unsere Körper(an)spannung und somit wird auch der Kehlkopf und die Atmung beeinflusst, welche wiederum die Stimme verändern. Besonders bei der computerunterstützten Stimmanalyse soll man viele Nuancen erkennen könnten, die für das menschliche Ohr kaum mehr wahrzunehmen sind.

Ich sitz also da, und denke mir: nicht heute! Heute überrumpelt es mich nicht total. Tief Atmen. Lass dir Zeit, nimm dir Sprechpausen. Einatmen – Ausatmen.

Ich habe mich wacker geschlagen und meine Stimme und meine Emotionen „durchgeatmet“. Ich habe noch immer gezittert und war emotional befangen – aber wie Paul Eckman beschreiben hat, habe ich meine Refraktärzeit heute verkürzt. Ich kannte den Auslöser/Trigger für die Emotion schon. Ich, die Emotion, der Trigger und meine Reaktion – wir lernen uns immer besser kennen.

Die Refraktärphase wird von dem Psychologen und Emotionsexperten Paul Eckman als jene Phase beschrieben, in der wir keinen Zugang zu Informationen haben, die unsere Gefühle ändern können (S.76). Ein nüchterner und angenehmer Ansatz, der mir persönlich hilft wenn ich emotional werde. Wobei ich betonen möchte, dass es nie um die Unterdrückung von Emotionen geht. Es geht darum, bei der eigenen Reaktion stets die Wahl zu haben sich auf verschiedene Weisen auszudrücken. Wenn meine einzige Bewältigungsstrategie für Wut ein Wutanfall ist, dann habe ich nicht die Wahl.

Und ich hatte heute mehr die Wahl, als das letze Mal. Es war gutes Training. Und genau darum geht es.

Buchtipp: „Gefühle Lesen“ von Paul Eckman

Lesetipps: Die Zeit – Stimmforschung